Torsten Schrimper

Zehn Prozent Rabatt kosten Dich nicht zehn Prozent.

Ein Fahrradgeschäft verkauft teure Einzelstücke zu knappen Margen. Dort entscheidet selten die Auswahl, ob Geld übrig bleibt, sondern der Rabatt, den Du an der Kasse gibst — und die Frage, wie viel Ware gleichzeitig im Laden steht.

Diese Seite ordnet, was vor der ersten Unterschrift geklärt sein sollte: wie der Markt 2026 aussieht, ob Du eine Werkstatt brauchst und darfst, woran die Rechnung hängt — und was sich seriös noch nicht beziffern lässt.

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Die Reihenfolge, die Geld spart

  1. 1 Entscheiden, ob Du nur verkaufst oder auch reparierst. Davon hängt ab, ob das Handwerksrecht auf Dich zukommt — und wen Du einstellen musst.
  2. 2 Rechnen, was nach einem normalen Rabatt vom Rohertrag übrig bleibt, bevor Du das Sortiment festlegst.
  3. 3 Kapitalbedarf ermitteln — mit dem Warenlager, der Anlaufphase und Deiner privaten Lebenshaltung.
  4. 4 Erst dann Mietvertrag, Lieferantenverträge und Finanzierung.

Der teuerste Fehler ist nicht ein falscher Schritt, sondern die falsche Reihenfolge. Wer zuerst unterschreibt, rechnet danach nur noch nach.

Was Du 2026 wissen musst

Der Markt ist nicht tot, aber er schrumpft in Euro

Der Verkaufswert von Fahrrädern und E-Bikes lag 2025 bei 5,85 Milliarden Euro — 7,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Ein E-Bike kostete im Durchschnitt 2.550 Euro, 3,8 Prozent weniger als 2024. E-Bikes machten mit 2,0 Millionen verkauften Einheiten knapp 53 Prozent des Absatzes aus.

Wo wird gekauft? Der stationäre Fachhandel kam auf 67,4 Prozent der Vertriebswege, der Online-Fachhandel auf 23,8 Prozent. Der Laden vor Ort ist also weiter der wichtigste Weg — aber knapp ein Viertel wird über den Online-Fachhandel gekauft.

Für den Handel fiel der Rückgang größer aus als für die Hersteller: Der Branchenbericht von Verband Zukunft Fahrrad und ZIV nennt für 2025 einen Umsatzrückgang im Einzelhandel von rund 10 Prozent.

Quellen: ZIV, „Marktdaten der Fahrradwirtschaft 2025", März 2026. Verband Zukunft Fahrrad und ZIV, Branchenbericht, veröffentlicht am 2. September 2026.

Was das für Deine Planung heißt

Der ZIV beschreibt für die Branche einen weiteren Abbau der Lagerbestände und hält eine Normalisierung bis Ende 2026 für absehbar. Das bedeutet: Der Markt hat noch Ware abzuverkaufen. Wer jetzt eröffnet, trifft auf Händler, die ihr Lager räumen müssen — und auf Kunden, die Rabatte erwarten.

Rechne deshalb nicht mit den Preisen und Margen der Jahre davor. Plane ein Szenario, in dem Du im ersten Jahr regelmäßig Rabatt gibst, und schau, ob der Betrieb das trägt.

Das ist eine Einordnung aus den Branchendaten, keine Prognose für Deinen Standort.

Verkaufen ist Handel. Reparieren ist Handwerk.

Das ist die Entscheidung, die am meisten verändert — und die am häufigsten zu spät fällt.

Nur verkaufen

Der Verkauf von Fahrrädern und Zubehör ist Einzelhandel. Dafür brauchst Du eine Gewerbeanmeldung, keinen Meisterbrief. Der Zugang ist offen — für Dich und für jeden Mitbewerber.

Auch reparieren

Der Zweiradmechatroniker steht in Anlage A der Handwerksordnung und ist zulassungspflichtig. Wer größere Reparaturen anbietet, braucht in der Regel den Meisterbrief oder einen gleichwertigen Nachweis und die Eintragung bei der Handwerkskammer. Was noch als einfache Tätigkeit gilt, entscheidet die Kammer im Einzelfall.

Wenn Du selbst keinen Meisterbrief hast, kannst Du einen Meister als Betriebsleiter anstellen. Das ist möglich, kostet aber eine Stelle und gehört in die Rechnung, bevor Du die Werkstatt einplanst.

Verbindlich klärt das Deine Handwerkskammer. Frag dort, bevor Du einen Mietvertrag für eine Werkstattfläche unterschreibst.

Woran es rechnerisch hängt

Vier Größen entscheiden, ob das Geschäft trägt. Die erste lässt sich in einer Minute nachrechnen, und sie überrascht die meisten.

  • Rabatt frisst den Rohertrag, nicht den Umsatz

    Ein Rechenbeispiel mit gerundeten Zahlen, keine Marktangabe: Ein Rad kostet Dich im Einkauf 700 Euro und kostet im Laden 1.000 Euro. Der Rohertrag beträgt 300 Euro. Gibst Du zehn Prozent Rabatt, verkaufst Du für 900 Euro, und es bleiben 200 Euro. Du hast ein Zehntel des Preises verschenkt und ein Drittel des Rohertrags verloren.

    Die Fachzeitschrift velobiz nennt als Faustregel: Liegt der Rohertrag deutlich unter 30 Prozent, deckt ein Fahrradhandel seine Kosten nicht mehr. Das ist die Aussage eines Branchenmediums, keine Statistik — aber sie zeigt, wie dünn der Spielraum ist.

  • Ein Regal voller E-Bikes ist ein Kredit an Dich selbst

    Bei einem Durchschnittspreis von 2.550 Euro je E-Bike (ZIV, 2025) bindet jedes Rad, das im Laden steht, vierstellig Kapital — und dieses Kapital fehlt Dir an anderer Stelle. Entscheidend ist nicht, wie viele Modelle ausgestellt sind, sondern wie schnell sie sich verkaufen und was Du dafür im Mittel nachlässt.

  • Das Geschäft ist saisonal, die Miete nicht

    Miete, Nebenkosten und Personal laufen auch in den Monaten, in denen kaum jemand ein Rad kauft. Deine Planung braucht deshalb keinen Jahresdurchschnitt, sondern Monate: eine Liquiditätsplanung, die zeigt, wie tief der schwächste Monat die Kasse zieht.

  • Der Kapitalbedarf endet nicht beim Lager

    Erstausstattung des Lagers, Werkstatteinrichtung, Mietkaution und Ladenausbau sind die sichtbare Hälfte. Die unsichtbare: Deine private Lebenshaltung in der Anlaufzeit, eine Liquiditätsreserve und die Steuer, die im zweiten Jahr für das erste fällig wird.

Was eine Gründung im Fahrradhandel kostet, steht hier nicht, und das hat einen Grund: Ich habe dazu keine belastbare Erhebung gefunden. Jede Zahl, die im Netz kursiert, ist die eines Anbieters oder eine Schätzung. Was hier steht, sind die Positionen. Die Beträge holst Du Dir als Angebot und trägst sie in die Planung ein.

Umsatz planen Was Du privat brauchst, rechnen

Übernehmen statt neu eröffnen

Bei einem Markt, der gerade Lager abbaut, ist die Übernahme eines bestehenden Geschäfts eine Alternative zur Neueröffnung — mit eigenen Fragen: Was ist der Betrieb wert, was geht mit über, und was bleibt, wenn der bisherige Inhaber geht? Diese Rechnung unterscheidet sich von der einer Neugründung.

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Was in Deinen Businessplan gehört

Sortiment und Zielgruppe, also wer bei Dir kauft und warum nicht beim Onlinehändler. Standort und Einzugsgebiet. Ob Du eine Werkstatt betreibst und wer sie fachlich verantwortet. Dein Umgang mit Rabatten und Lager. Und den Zahlenteil, in dem Kapitalbedarf, Rentabilität und Liquidität zusammenpassen.

Ein zweites Szenario gehört dazu: eines, in dem Du im ersten Jahr deutlich mehr Rabatt gibst als geplant. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern die Antwort auf eine benannte Annahme — und so lässt es sich auch gegenüber einer Bank vertreten.

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Förderung: die Reihenfolge zählt

Beratung fördern lassen (AVGS)

Wenn Du arbeitslos bist oder es zu werden drohst, kann die Agentur für Arbeit die Gründungsberatung über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein übernehmen. Das wird vor der Beratung geklärt, nicht danach.

Gründungszuschuss (bei ALG I)

Setzt einen fertigen Businessplan, eine belastbare Finanzplanung und eine fachkundige Stellungnahme voraus. Hier ist die Beratung also die Vorarbeit, nicht der Antrag.

Einstiegsgeld (bei Bürgergeld)

Eine Ermessensleistung des Jobcenters. Auch hier gilt: erst das tragfähige Konzept, dann das Gespräch.

Keine dieser Förderungen macht ein Vorhaben tragfähig, das es nicht ist. Sie verschaffen Luft — mehr nicht und nicht weniger.

Häufige Fragen

Brauche ich einen Meisterbrief für ein Fahrradgeschäft?

Für den reinen Verkauf nicht, das ist Einzelhandel. Für die Werkstatt in der Regel schon: Der Zweiradmechatroniker ist ein zulassungspflichtiges Handwerk nach Anlage A der Handwerksordnung. Du kannst einen Meister als Betriebsleiter anstellen. Was bei Dir noch als einfache Tätigkeit durchgeht, entscheidet die Handwerkskammer.

Ist 2026 ein guter Zeitpunkt, ein Fahrradgeschäft zu eröffnen?

Ehrlich: Es ist ein Zeitpunkt, der eine vorsichtige Rechnung verlangt. Der Verkaufswert sank 2025 um 7,7 Prozent, im Handel um rund zehn Prozent, und die Branche baut noch Lager ab. Wer mit Rabatten im ersten Jahr rechnet und genug Reserve einplant, kann das durchhalten. Wer die Margen früherer Jahre ansetzt, eher nicht.

Was kostet es, ein Fahrradgeschäft zu gründen?

Dazu habe ich keine belastbare Erhebung gefunden, deshalb nenne ich keine Zahl. Was sich sagen lässt: Das Lager ist der größte Einzelposten, die Anlaufmonate und Dein eigener Lebensunterhalt sind der am häufigsten unterschätzte. Beides lässt sich für Deinen Fall durchrechnen.

Lohnt sich ein Laden, wenn so viel online gekauft wird?

Der stationäre Fachhandel kam 2025 auf 67,4 Prozent der Vertriebswege, der Online-Fachhandel auf 23,8 Prozent (ZIV). Der Laden ist also weiter der wichtigste Weg. Aber er muss etwas bieten, das ein Onlinehändler nicht liefert: Beratung, Probefahrt, Werkstatt. Genau das gehört in Dein Konzept.

Wie viel Rohertrag muss ich erreichen?

Eine allgemeine Zahl gibt es nicht. Als Richtwert nennt die Fachzeitschrift velobiz, dass ein Fahrradhandel bei deutlich unter 30 Prozent Rohertrag seine Kosten nicht mehr deckt. Für Dich zählt, was nach Rabatten und Lagerkosten übrig bleibt, und das hängt von Deinem Sortiment ab.

Kann die Beratung online stattfinden?

Ja, über Teams. Das ist der Normalfall und spart beiden Seiten die Fahrzeit. Wenn Du in der Nähe bist, sehen wir uns gern einmal persönlich — danach geht es online meist schneller.

Bevor Du Räume suchst

Dreißig Minuten, in denen wir durchgehen, ob Du nur verkaufst oder auch reparierst, wie viel Rabatt Dein Konzept verträgt und mit welcher Anlaufzeit Du rechnen solltest. Danach weißt Du, woran es bei Dir hängt.

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