Gewinn gemacht, aber kein Geld auf dem Konto? Rechne weiter bis zum Ende
41.247 Euro Gewinn, und am Ende fehlen 12.253 Euro. An einem Elektriker durchgerechnet: was vom Gewinn abgeht, bevor Geld übrig bleibt, und wie Du das vorher siehst.
- Von
- Torsten Schrimper
- Erschienen
- Lesezeit
- rund 3 Minuten
- Themen
- Controlling, Liquidität, Beratungstipp
Dein Steuerberater sagt: 41.000 Euro Gewinn. Und dann schaust Du aufs Konto, und da ist nichts.
Das passiert vielen Selbstständigen und kleinen Betrieben. Es liegt selten an einem Fehler in der Buchhaltung. Der Gewinn ist nur noch nicht das Ende der Rechnung.
Ich zeige Dir an einem Beispiel, wo das Geld bleibt. Den Tipp gibt es oben auch als Film mit Ton, gut zweieinhalb Minuten.
Das Beispiel: Markus, Elektriker, allein im Betrieb
Markus plant für 2027 rund 160.000 Euro Umsatz und 41.247 Euro Gewinn. Die Zahlen stammen aus einem Musterbetrieb, den ich in RentaS gerechnet habe. Markus gibt es nicht, der Name ist erfunden.
Bevor Du weiterliest, rate kurz mit: Was bleibt bei Markus am Ende des Jahres übrig? Rund 29.000 Euro, ungefähr nichts oder minus 12.000 Euro?
Schritt 1: Aus dem Betrieb kommt mehr Geld, als der Gewinn zeigt
Im Gewinn stecken Abschreibungen. Den Transporter hat Markus längst bezahlt. Die Abschreibung mindert zwar den Gewinn, kostet in diesem Jahr aber kein Geld. Bei Markus sind das 10.908 Euro.
Die Zinsen für seinen Kredit, 2.760 Euro, sind im Gewinn schon abgezogen. Ich rechne sie wieder hinzu und ziehe sie gleich beim Kredit zusammen mit der Tilgung ab. So steht der ganze Kredit an einer Stelle.
Gewinn 41.247 € + Abschreibungen 10.908 € + Zinsen 2.760 € = 54.915 € Geld aus dem Betrieb.
Schritt 2: Wovon Du lebst, geht vom Gewinn ab
Bei einem Einzelunternehmen ist der Gewinn Dein Einkommen. Davon zahlst Du Miete, Essen, Krankenversicherung, Altersvorsorge und die Einkommensteuer. Bei Markus sind das zusammen 56.409 Euro:
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Wohnen | 14.358 € |
| Krankenversicherung | 9.817 € |
| Lebensmittel | 9.548 € |
| Einkommensteuer | 5.860 € |
| Altersvorsorge | 3.672 € |
| Übriges | 13.154 € |
| Zusammen | 56.409 € |
Damit ist das Geld aus dem Betrieb schon aufgebraucht. Es fehlen knapp 1.500 Euro, und der Kredit ist noch nicht bezahlt.
Schritt 3: Die Tilgung steht in keiner Gewinnrechnung
Für den Kredit zahlt Markus Zins und Tilgung, zusammen 10.760 Euro im Jahr. Die Zinsen sind Kosten. Die Tilgung ist es nicht, deshalb taucht sie in keiner Gewinnrechnung auf. Vom Konto geht sie trotzdem.
Am Ende fehlen 12.253 Euro

| Betrag | |
|---|---|
| Geld aus dem Betrieb | 54.915 € |
| − wovon Markus lebt, und die Steuern | 56.409 € |
| − Zins und Tilgung | 10.760 € |
| = Was am Ende übrig bleibt | −12.253 € |
Richtig war also die dritte Antwort. Bei 41.247 Euro Gewinn fehlen am Ende gut 12.000 Euro. Das fehlt dann irgendwo: auf dem Konto, im Dispo oder beim Großhändler, der auf sein Geld wartet.
Mein Tipp: Hör nicht beim Gewinn auf zu rechnen
Rechne weiter bis zu der Frage, was am Ende übrig bleibt:
- Gewinn
- plus Abschreibungen
- minus das, wovon Du lebst, und die Steuern
- minus Zins und Tilgung
Steht da ein Minus, weißt Du es vorher und nicht erst, wenn der Kontoauszug kommt. Banken rechnen übrigens genauso, wenn sie prüfen, ob Du einen Kredit bedienen kannst.
In RentaS steht diese Rechnung für jedes Planjahr ganz unten in der Auswertung: erst die Summe des Privatbereichs, dann die Kapitaldienstgrenze, dann Zins und Tilgung und zum Schluss die Über- oder Unterdeckung.
Die Einkommensteuer ist hier voraussichtlich in der Planung mitgerechnet. Die verbindliche Berechnung macht Dein Steuerberater.
Den Film zu diesem Beitrag gibt es auch auf YouTube. Schon erlebt, dass der Gewinn gut aussah und das Konto nicht? Schreib es mir gern dort in die Kommentare.