Torsten Schrimper

Fahren beibringen kannst Du. Die Frage ist, wie viele Stunden Du verkaufst.

Eine Fahrschule verkauft Zeit — Deine und die Deiner Fahrlehrer, in 45-Minuten-Einheiten, eine Person nach der anderen. Das ist die ganze Rechnung, und sie hat eine harte Obergrenze.

Wer gründen will, muss zwei Dinge auseinanderhalten: was das Gesetz verlangt, und was der Betrieb trägt. Das erste ist nachlesbar. Das zweite steht in Deiner eigenen Rechnung — und die sieht 2026 anders aus als noch vor einem Jahr.

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Die Reihenfolge, die Geld spart

  1. 1 Prüfen, ob Du die Voraussetzungen der Fahrschulerlaubnis überhaupt erfüllst — zwei Jahre hauptberuflich als Fahrlehrer und der 70-Stunden-Lehrgang sind nicht nachholbar, während der Mietvertrag läuft.
  2. 2 Entscheiden, ob Neugründung oder Übernahme. Die beiden Wege rechnen sich völlig verschieden.
  3. 3 Kapitalbedarf rechnen, inklusive Anlaufzeit und privater Lebenshaltung.
  4. 4 Erst dann Räume, Fahrzeuge und Finanzierung.

Die meisten, die zu mir kommen, sind schon bei Schritt vier — und die ersten drei sind offen.

Was Du 2026 wissen musst

Die Branche steckt gerade in einer Delle, die nicht vom Markt kommt

Im Oktober 2025 hat das Bundesverkehrsministerium eine Reform des Fahrlehrerrechts angekündigt: weniger Pflichtstunden, digitale Lernformate, kürzere Prüfungen, Simulatoren. Seither warten viele Fahrschüler ab.

84,14 Prozent der Fahrschulen meldeten im Januar 2026 einen Rückgang der Neuanmeldungen, im Mittel um 54,20 Prozent. 42,42 Prozent berichteten Liquiditätsprobleme, 64,48 Prozent haben geplante Investitionen zurückgestellt.

Das ist keine Marktschwäche und kein Nachfrageeinbruch. Es ist eine Verschiebung: Wer wartet, kommt später — vermutlich. Aber „vermutlich" zahlt keine Miete.

Zahlen: Erhebung des Branchenverbands MOVING unter 2.424 Fahrschulen, 9. bis 19. Januar 2026. Das ist eine Verbandsbefragung, keine amtliche Statistik — die Größenordnung ist trotzdem eindeutig.

Was das für Deine Planung heißt

Nicht: nicht gründen. Sondern: nicht mit den Zahlen von 2025 rechnen. Wer heute eine Fahrschule plant, sollte ein Szenario mit deutlich verzögertem Anlauf durchrechnen und die Anlaufzeit entsprechend länger ansetzen.

Der Kabinettsbeschluss zur Reform datiert vom 20. Mai 2026, das Inkrafttreten ist für Anfang 2027 geplant. Wer 2026 gründet, gründet also in ein Regelwerk hinein, das sich gerade ändert — und sollte wissen, an welchen Stellen.

Die Gegenrichtung gibt es auch: Über ein Drittel der Fahrlehrer ist älter als 60 Jahre, das Durchschnittsalter liegt bei knapp 54 Jahren (Kraftfahrt-Bundesamt, Bestandsdaten 2024). Wer jetzt anfängt, kommt in einen Markt, aus dem in den nächsten Jahren sehr viele ausscheiden.

Was das Gesetz verlangt — und warum es die Reihenfolge bestimmt

Die Fahrschulerlaubnis nach § 18 des Fahrlehrergesetzes ist keine Formsache. Sie hat Voraussetzungen, die Jahre brauchen — und deshalb ganz am Anfang der Planung stehen, nicht am Ende.

Fahrlehrerlaubnis der beantragten Klasse

Ohne sie geht gar nichts. Sie setzt unter anderem eine abgeschlossene Berufsausbildung, seit mindestens drei Jahren die Fahrerlaubnis Klasse B und die bestandene Fahrlehrerprüfung voraus.

§ 2 FahrlG

Zwei Jahre hauptberuflich als Fahrlehrer angestellt

Das ist die Voraussetzung, die am häufigsten übersehen wird — und die sich nicht abkürzen lässt. Wer die Fahrlehrerprüfung frisch in der Tasche hat, kann noch keine eigene Fahrschule aufmachen.

§ 18 Abs. 1 Nr. 4 FahrlG

Lehrgang Fahrschulbetriebswirtschaft, mindestens 70 Stunden

Gründung, Standortwahl, Rechtsform, Kalkulation, Rechnungswesen, Arbeitsrecht. Der Gesetzgeber verlangt ihn, weil das fachliche Können über den Betrieb nichts aussagt.

§ 18 Abs. 1 Nr. 5 FahrlG

Mindestalter 25 Jahre, Zuverlässigkeit, Unterrichtsraum, Lehrmittel, Lehrfahrzeuge

Der Unterrichtsraum ist normiert: rund ein Quadratmeter je Fahrschüler plus acht Quadratmeter für den Fahrlehrer, kein Wohnraum, kein Durchgangsraum, WC in unmittelbarer Nähe. Der Antrag verlangt einen Raumplan.

§ 18 FahrlG, Anlage 2 FahrlGDV

Fassung des Fahrlehrergesetzes vom 30.06.2017, in Kraft seit 01.01.2018. Ältere Ratgeber zitieren noch „§ 10 ff. FahrlG" — das ist die Nummerierung des Gesetzes von 1969 und führt in die Irre.

Woran es rechnerisch hängt

Vier Größen entscheiden, ob die Fahrschule trägt. Drei davon sind eng begrenzt, und genau deshalb ist die vierte so wichtig.

  • Fahrlehrerstunden sind die Obergrenze

    Praktischer Unterricht findet einer zu einem statt. Was Du im Monat verkaufen kannst, ist die Zahl der Fahrlehrerstunden mal dem Preis je Einheit — mehr nicht. Ein zweiter Fahrlehrer verdoppelt nicht den Gewinn, sondern zuerst die Fixkosten. Ab welcher Auslastung er sich trägt, lässt sich vorher ausrechnen.

  • Der Preis ist bekannt, die Marge nicht

    Eine reguläre Fahrstunde von 45 Minuten kostete 2025 im Mittel 63,70 Euro, eine Sonderfahrstunde 72,40 Euro. Die Vergütung des Fahrlehrers je Einheit lag bei 21,60 Euro — und sie ist gegenüber 2024 um 6,9 Prozent gestiegen, während der Fahrstundenpreis nur um 3,6 Prozent zulegte. Wer den Preis fortschreibt, aber nicht die Personalkosten, rechnet sich reicher, als er ist. (Alle Werte: MOVING, Branchenaussichten 2025, März 2025.)

  • Der Fahrlehrer ist knapper als der Fahrschüler

    Eine offene Fahrlehrerstelle war 2025 im Schnitt 307 Tage unbesetzt. Über alle Berufe hinweg lag die Vakanzzeit 2022 bei 139 Tagen (Bundesagentur für Arbeit). Wachstum über Personal ist damit kein Plan, sondern eine Hoffnung — es sei denn, Du hast jemanden.

  • Der Kapitalbedarf endet nicht bei den Fahrzeugen

    Fahrzeuge mit Doppelbedienung, Umbau, Unterrichtsraum, Lehrmittel, Lernsoftware und Versicherungen sind die sichtbare Hälfte. Die unsichtbare: Deine private Lebenshaltung in der Anlaufzeit, eine Liquiditätsreserve und die Steuer, die im zweiten Jahr für das erste fällig wird. Genau hier fehlt am häufigsten Geld.

Was eine Fahrschulgründung kostet, steht in keiner Statistik. Es gibt weder eine amtliche noch eine Verbandserhebung dazu — jede Zahl, die im Netz kursiert, stammt von Anbietern. Deshalb steht hier keine. Was hier steht, sind die Positionen; die Beträge holst Du Dir als Angebot und trägst sie ein.

Was Du privat brauchst, rechnen

Der zweite Weg

Übernehmen statt gründen — mit einer Einschränkung, die man kennen muss

Ein Drittel der Fahrschulinhaber hat die Nachfolge geregelt, ein weiteres knappes Drittel plant sie gerade. Geplant ist dabei zu 33 Prozent die Übergabe in der Familie, zu 28 Prozent der Verkauf an Mitarbeiter und nur zu 14 Prozent der Verkauf an Dritte (MOVING, Branchenaussichten 2025). Wer als Angestellter in einer Fahrschule arbeitet, sitzt also näher an der Übernahme, als er denkt.

Die Einschränkung: Die Fahrschulerlaubnis ist personengebunden und geht nicht mit dem Betrieb über. Wer übernimmt, braucht eine eigene — mit allen Voraussetzungen des § 18 FahrlG. Und die Fahrschüler werden nicht mitverkauft; sie entscheiden selbst, ob sie bleiben.

Was übergeht, sind Standort, Räume, Fahrzeuge, Ruf und Abläufe. Das ist einiges wert — nur eben nicht das, was in der Bilanz steht.

Woran sich der Kaufpreis bemisst

Nicht am Umsatz. Der alte Daumenwert „ein Neuntel des Dreijahresumsatzes" gilt als überholt. Heute wird über den Ertragswert gerechnet: Vom bereinigten Gewinn der letzten drei Jahre wird ein angemessener Unternehmerlohn abgezogen — was übrig bleibt, ist die Bewertungsbasis.

Das ist genau die Rechnung, bei der ich helfen kann. Und es ist die Rechnung, die auch die Bank sehen will.

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Was in Deinen Businessplan gehört

Deine Qualifikation und die Klassen, die Du ausbilden darfst. Standort und Einzugsgebiet — bei einer Fahrschule ist das die entscheidende Größe, weil niemand vierzig Kilometer zur Fahrstunde fährt. Die geplante Zahl an Fahrlehrerstunden je Woche. Und den Zahlenteil, in dem Kapitalbedarf, Rentabilität und Liquidität zusammenpassen.

Wenn Du 2026 planst, gehört ein zweites Szenario dazu: eines mit verzögertem Anlauf. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern die Antwort auf eine benannte Annahme — und genau so lässt es sich auch gegenüber einer Bank vertreten.

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Förderung: die Reihenfolge zählt

Beratung fördern lassen (AVGS)

Wenn Du arbeitslos bist oder es zu werden drohst, kann die Agentur für Arbeit die Gründungsberatung über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein übernehmen. Das wird vor der Beratung geklärt, nicht danach.

Gründungszuschuss (bei ALG I)

Setzt einen fertigen Businessplan, eine belastbare Finanzplanung und eine fachkundige Stellungnahme voraus. Hier ist die Beratung also die Vorarbeit, nicht der Antrag.

Einstiegsgeld (bei Bürgergeld)

Eine Ermessensleistung des Jobcenters. Auch hier gilt: erst das tragfähige Konzept, dann das Gespräch.

Keine dieser Förderungen macht ein Vorhaben tragfähig, das es nicht ist. Sie verschaffen Luft — mehr nicht und nicht weniger.

Häufige Fragen

Kann ich direkt nach der Fahrlehrerprüfung eine eigene Fahrschule aufmachen?

Nein. § 18 Abs. 1 Nr. 4 des Fahrlehrergesetzes verlangt mindestens zwei Jahre hauptberufliche Tätigkeit als Fahrlehrer im Beschäftigungsverhältnis. Dazu kommt der Lehrgang Fahrschulbetriebswirtschaft mit mindestens 70 Stunden. Beides lässt sich nicht nachholen, während die Miete schon läuft.

Ist 2026 ein guter Zeitpunkt zum Gründen?

Ehrlich: Es ist ein Zeitpunkt, der eine zweite Rechnung verlangt. Die angekündigte Reform hat die Neuanmeldungen einbrechen lassen — 84 Prozent der Fahrschulen berichteten im Januar 2026 einen Rückgang um im Mittel 54 Prozent. Gleichzeitig scheidet in den nächsten Jahren ein großer Teil der Fahrlehrerschaft aus Altersgründen aus. Wer die Anlaufzeit länger ansetzt und Reserve einplant, kann das durchhalten. Wer mit den Zahlen von 2025 rechnet, nicht.

Was kostet die Gründung einer Fahrschule?

Dazu gibt es keine belastbare Erhebung — weder amtlich noch vom Verband. Deshalb nenne ich hier keine Zahl. Was sich sagen lässt: Die Fahrzeuge sind selten das Problem. Es sind die Monate, in denen Raum, Fahrzeug, Versicherung und Dein eigener Lebensunterhalt laufen, bevor genug Fahrschüler angemeldet sind.

Kann ich eine bestehende Fahrschule mit ihren Fahrschülern kaufen?

Die Fahrschule ja, die Fahrschüler nicht. Die Fahrschulerlaubnis ist personengebunden und geht nicht über — Du brauchst eine eigene. Und die Schüler entscheiden selbst, ob sie beim neuen Inhaber weiterlernen. Was übergeht, sind Standort, Räume, Fahrzeuge und Ruf.

Wie viele Fahrlehrer brauche ich?

Das ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Wie viele Fahrstunden musst Du im Monat verkaufen, damit die Fixkosten und Dein privater Bedarf gedeckt sind? Daraus ergibt sich die Zahl — und nicht umgekehrt.

Kann die Beratung online stattfinden?

Ja, über Teams. Das ist der Normalfall und spart beiden Seiten die Fahrzeit. Wenn Du in der Nähe bist, sehen wir uns gern einmal persönlich — danach geht es online meist schneller.

Bevor Du Räume suchst

Dreißig Minuten, in denen wir durchgehen, ob die Voraussetzungen stehen, ob Neugründung oder Übernahme der bessere Weg ist und mit welcher Anlaufzeit Du 2026 rechnen solltest. Danach weißt Du, woran es bei Dir hängt.

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