Torsten Schrimper

Von zweihunderttausend Euro Umsatz bleiben rund hunderttausend.

Das ist die Zahl, die eine Kanzleigründung trägt oder nicht trägt — und sie steht in keinem juristischen Lehrbuch. Sie steht im STAR-Bericht der Bundesrechtsanwaltskammer.

Juristisch arbeiten kannst Du. Diese Seite handelt vom anderen Teil: von der Rechnung dahinter, von der Anlaufzeit und von der Frage, wovon Du lebst, bevor der Mandantenstamm steht.

Erstgespräch vereinbaren

Dreißig Minuten, kostenfrei — online oder in Essen.

Die Reihenfolge, die Geld spart

  1. 1 Festlegen, worin Du spezialisiert bist — die Zahlen dazu stehen weiter unten und sind eindeutig.
  2. 2 Ausrechnen, wie lange Du ohne tragfähigen Mandantenstamm durchhältst.
  3. 3 Entscheiden, ob Einzelkanzlei, Bürogemeinschaft, Sozietät oder Übernahme.
  4. 4 Erst dann Räume, Software und Personal.

Zulassung, Berufsrecht und Haftpflicht klärt Deine Kammer. Diese Seite beginnt danach.

Was der STAR-Bericht sagt

Die Hälfte des Umsatzes bleibt im Betrieb

Das Statistische Berichtssystem für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte wird vom Soldan Institut im Auftrag der Bundesrechtsanwaltskammer erhoben. Die Ausgabe 2025 mit Bezugsjahr 2024 stützt sich auf rund 3.600 Befragte.

Persönlich, Bezugsjahr 2024 Honorarumsatz Überschuss
Durchschnitt bundesweit 200.000 € 106.000 €
West 208.000 € 114.000 €
Ost 158.000 € 77.000 €
Männer 224.000 € 120.000 €
Frauen 141.000 € 73.000 €

STAR-Bericht 2025, Soldan Institut und Institut für Freie Berufe im Auftrag der Bundesrechtsanwaltskammer, Bezugsjahr 2024.

Die Faustregel daraus: Rechne mit rund der Hälfte. Das deckt sich mit dem, was das Soldan Institut zur Kostenstruktur ermittelt hat — rund fünfzig Prozent des Kanzleiumsatzes fließen in den Betrieb, verteilt auf Personal (rund vierzig Prozent der Kosten), Räume (rund zweiundzwanzig), Ausstattung (fünfzehn), Sonstiges (fünfzehn) und Fremdleistungen (acht). Diese Kostenerhebung stammt aus dem Jahr 2017 — die Struktur ist brauchbar, die Beträge sind es nicht mehr.

Für Einzelkanzleien gibt es dabei eine Besonderheit: Sie wenden deutlich weniger für Personal auf als Sozietäten, tragen aber anteilig höhere Kosten für Räume, Ausstattung und Fremdleistungen. Die Einzelkanzlei spart am Personal und zahlt bei den Fixkosten drauf — sie hat die schlechtere Fixkostendegression.

Der größte Hebel ist die Spezialisierung — und er ist bezifferbar

Aus derselben Erhebung, persönlicher Honorarumsatz von Vollzeit-Berufsträgern im Bezugsjahr 2024:

  • ·109.000 Euro ohne Spezialisierung
  • ·177.000 Euro spezialisiert ohne Titel
  • ·237.000 Euro mit Fachanwaltstitel

Bemerkenswert daran ist die mittlere Zeile: Der größere Sprung liegt zwischen Generalist und Spezialist, nicht zwischen Spezialist und Titel. Die Spezialisierung selbst trägt den Ertrag; der Titel macht sie sichtbar und legt noch etwas drauf.

Für eine Gründung heißt das: Die Frage „worin bin ich gut" ist keine Imagefrage, sondern die erste betriebswirtschaftliche Entscheidung. Sie gehört an den Anfang des Plans, nicht in den Marketingteil.

Was der Titel kostet, bevor er trägt

Ein Fachanwaltstitel setzt drei Jahre Zulassung und Tätigkeit voraus, einen theoretischen Lehrgang von mindestens 120 Zeitstunden (in einzelnen Gebieten mehr) und den Nachweis einer Fallzahl, die je nach Gebiet zwischen 40 und 160 Fällen liegt. Dazu kommt die jährliche Fortbildungspflicht von mindestens 15 Zeitstunden.

Das ist eine Investition in Geld und in Zeit — und sie fällt in genau die Jahre, in denen der Kapitalbedarf ohnehin am höchsten ist. Sie gehört deshalb in die Planung, und zwar mit einem Datum.

Voraussetzungen nach der Fachanwaltsordnung. Die konkreten Anforderungen Deines Gebiets bestätigt Dir Deine Kammer — die Fassung ändert sich.

Wie der Markt gerade aussieht

Zum 1. Januar 2026 zählten die 28 Rechtsanwaltskammern 173.504 Mitglieder, darunter 167.547 zugelassene Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Bundesrechtsanwaltskammer, Statistik zum 01.01.2026, veröffentlicht am 15.04.2026).

Interessanter als die Gesamtzahl ist ihre Zusammensetzung. Die Einzelzulassungen sinken — 138.420 gegenüber 138.715 im Vorjahr, und das setzt einen Trend fort, der seit 2017 anhält. Gewachsen sind dagegen die Syndikusrechtsanwälte (8.279, plus 9,15 Prozent) und die Berufsausübungsgesellschaften (5.462, plus 6,55 Prozent).

Dahinter steht eine Verengung von der Nachwuchsseite: Die Zahl der Jura-Studienanfänger ging von rund 27.500 (2017) auf rund 23.200 (2024) zurück; Neuzulassungen liegen bei etwa 5.000 im Jahr, und die tatsächliche Marktkapazität entspricht rund 99.000 Vollzeitäquivalenten — deutlich weniger, als die Zulassungszahl vermuten lässt (Soldan Institut, Vortrag beim Deutschen Anwaltstag 2026).

Für eine Gründung ist das eine gute Nachricht mit einer Fußnote. Weniger Wettbewerb um Mandate — aber härterer Wettbewerb um qualifiziertes Personal. Und der Umsatz je Anwalt ist zwischen 2018 und 2024 zwar nominal um 29 Prozent gestiegen, real aber nur um sieben.

Woran es in den ersten Jahren hängt

  • Der Vorschuss ist Dein wichtigstes Liquiditätsinstrument

    § 9 RVG erlaubt ausdrücklich, für entstandene und voraussichtlich entstehende Gebühren und Auslagen einen angemessenen Vorschuss zu fordern. Das ist gesetzlich verankert und nicht verhandlungsbedürftig. Wer es konsequent nutzt, verschiebt seinen Zahlungseingang um Monate nach vorn — und genau darum geht es in den ersten Jahren.

  • Prozesskostenhilfe- und Beratungshilfemandate rechnen sich anders

    Bei Beratungshilfe darf vom Mandanten nur die Beratungshilfegebühr nach Nr. 2500 VV RVG in Höhe von 15 Euro verlangt werden; der Rest kommt aus der Landeskasse und tritt an die Stelle der gesetzlichen Gebühren. Die PKH-Vergütung nach § 49 RVG liegt bei höheren Gegenstandswerten deutlich unter der Wahlanwaltsvergütung und ist gedeckelt. Solche Mandate sind nicht verkehrt — sie brauchen nur eine bewusste Entscheidung darüber, welchen Anteil des Kalenders sie einnehmen dürfen.

  • Zeithonorar ist längst der Regelfall

    Nach der Erhebung 2025 rechnen Kanzleien zu rund einem Drittel über Zeithonorar ab, zu sechzehn Prozent über Wertgebühren und zu zwölf Prozent über Pauschalen. Erfolgsbasierte Vergütung spielt mit 0,4 Prozent praktisch keine Rolle — obwohl sie seit dem 01.10.2021 in engen Grenzen zulässig ist (§ 4a RVG). Die erwartete Zeitenwende ist ausgeblieben.

  • Der Stundensatz muss die Nichtstunden mittragen

    Der niedrigste durchschnittliche Stundensatz lag 2024 bei 195 Euro, der höchste bei 292 Euro. Entscheidend ist aber nicht der Satz, sondern wie viele Stunden Du davon tatsächlich abrechnest. Akquise, Fortbildung, Buchhaltung und Verwaltung sind Arbeitszeit ohne Rechnung — und in einer jungen Kanzlei ist ihr Anteil am höchsten.

Wie lange die Anlaufzeit bis zu einem tragfähigen Mandantenstamm dauert, sagt keine Statistik. Ich habe danach gesucht und nichts Belastbares gefunden — deshalb steht hier keine Zahl. Was sich aber ausrechnen lässt, ist die andere Seite: was Du in dieser Zeit brauchst.

Private Ausgaben rechnen

Vier Wege in die Selbstständigkeit

Einzelkanzlei von null

Zwei Drittel der selbstständigen Anwälte arbeiten als Einzelanwalt (STAR 2025, Bezugsjahr 2024). Der Weg ist am schnellsten begonnen und am längsten bis zur Tragfähigkeit — und der Umsatzabstand zur Sozietät ist erheblich: 158.000 gegenüber 242.000 Euro je Berufsträger, wenn auch nach älteren Zahlen (STAR 2018, Bezugsjahr 2016).

Volle Freiheit, volles Risiko

Anstellung mit Perspektive Partnerschaft

Angestellte Anwälte sind im Schnitt 39 Jahre alt, Partner 52 (Soldan Institut, 2017). Der Weg kostet Jahre und verschafft dafür Mandantenzugang, Erfahrung und ein Einkommen in der Zeit, in der die eigene Kanzlei nichts abwirft.

Langsam, aber finanziert

Übernahme einer bestehenden Kanzlei

Der Markt dafür existiert — die Anwaltschaft altert, das Durchschnittsalter liegt bei 49,7 Jahren, und Einzelkanzleien mit Generalistenprofil sind der älteste Teilmarkt. Belastbare Zahlen zu unbesetzten Nachfolgen oder zu Kaufpreisen bei Anwaltskanzleien habe ich allerdings nicht gefunden; die kursierenden Studien betreffen Steuerkanzleien und sind nicht übertragbar.

Mandantenstamm ab Tag eins

Bürogemeinschaft oder Berufsausübungsgesellschaft

Seit der BRAO-Reform vom 01.08.2022 stehen der Anwaltschaft praktisch alle deutschen Gesellschaftsformen offen, von der GbR bis zur GmbH & Co. KG. Die Zahl zugelassener Berufsausübungsgesellschaften wächst am stärksten von allen Strukturmerkmalen. Für die Gründung interessant, weil sich Fixkosten teilen lassen, ohne dass die Mandate geteilt werden müssen.

Fixkosten teilen, Mandate behalten

Häufige Fragen

Berätst Du auch zu Zulassung und Berufsrecht?

Nein. Zulassung, Berufshaftpflicht, Kanzleipflicht und Berufsrecht klärt Deine Rechtsanwaltskammer — das ist ihre Aufgabe und nicht meine. Ich komme dort ins Spiel, wo es um Zahlen geht: Kapitalbedarf, Anlaufzeit, Tragfähigkeit, Finanzierung und die Frage, ob der Plan aufgeht.

Was verdient man als Rechtsanwalt wirklich?

Im Bezugsjahr 2024 lag der persönliche Honorarumsatz im Bundesdurchschnitt bei rund 200.000 Euro und der persönliche Überschuss bei rund 106.000 Euro (STAR-Bericht 2025). Die Streuung ist groß: West gegenüber Ost rund 37.000 Euro Unterschied beim Überschuss, Männer gegenüber Frauen rund 47.000. Und all das sind eingeführte Kanzleien, keine Gründungsjahre.

Lohnt sich ein Fachanwaltstitel?

Die Zahlen sprechen dafür: 237.000 Euro persönlicher Honorarumsatz mit Titel gegenüber 109.000 Euro ohne Spezialisierung (Bezugsjahr 2024). Der größere Sprung liegt allerdings schon bei der Spezialisierung selbst — 177.000 Euro auch ohne Titel. Wer sich festlegt, verdient mehr; der Titel macht das zusätzlich sichtbar.

Wie überbrücke ich die Anlaufzeit?

Erstens mit dem Vorschuss nach § 9 RVG, konsequent von Anfang an. Zweitens mit einer bewussten Entscheidung darüber, wie viel Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe der Kalender verträgt. Und drittens mit einer Rechnung, die Deinen privaten Bedarf und eine Reserve enthält — nicht nur die Kanzleikosten.

Einzelkanzlei oder Bürogemeinschaft?

Betriebswirtschaftlich spricht viel für das Teilen von Fixkosten. Einzelkanzleien sparen zwar am Personal, tragen aber anteilig höhere Kosten für Räume, Ausstattung und Fremdleistungen — die Fixkostendegression ist schlechter. Eine Bürogemeinschaft oder eine Berufsausübungsgesellschaft verändert diese Rechnung, ohne dass Mandate geteilt werden müssen.

Kann die Beratung online stattfinden?

Ja, über Teams. Das ist der Normalfall und spart beiden Seiten die Fahrzeit. Wenn Du in der Nähe bist, sehen wir uns gern einmal persönlich — danach geht es online meist schneller.

Die Zahlenseite Deiner Kanzlei

Dreißig Minuten, in denen wir Deinen Kapitalbedarf, die Anlaufzeit und den Punkt durchgehen, ab dem die Kanzlei Dich trägt. Das Berufsrecht bleibt bei Deiner Kammer — die Rechnung machen wir.

Strategiegespräch vereinbaren

Kostenfrei, online oder in Essen. Kein Verkaufsgespräch.